Die Geschichte der Metzgerei Probst

Mein Vater Paul Probst wurde 1919 in Langnau i. E. geboren. Er verbrachte seine Jugendzeit im Emmental. Während der Schulzeit, arbeitete er unter anderem auch als Ausläufer bei der Metzgerei Zaugg. Dies prägte seine Entscheidung Metzger zu lernen. Die Metzgerlehre absovierte er in Yverdon. Mit 20 Jahren besuchte er die Rekrutenschule und leistete bis 1945 Aktivdienst.

Nach dem Dienst hat es ihn ins Worblental verschlagen, wo er seine Marie Krähenbühl kennenlernte. Meine Mutter ist hier in Stettlen neben unserem Geschäft im Bauernhaus aufgewachsen.

1947 haben die Beiden geheiratet und 3 Kinder bekommen. Mein Grossvater Kari Krähenbühl kam auf die Idee, Stettlen bräuchte eine zweite Metzgerei und hat sogleich das Bauland (das Kalberweidli) zur Verfügung gestellt. So wurde im Herbst 1955 mit dem Bau der Metzgerei begonnen. Fast ein Jahr später, im August 1956 konnte sie eröffnet werden.

Eigentlich war es ein grosses Wagnis eine zweite Metzgerei in Stettlen zu eröffnen, hatte doch das Dorf weniger als 1000 Einwohner.  Der Bau der Metzgerei hatte um die 200`000 Franken gekostet. Also mussten die Eltern sehr hart arbeiten, um davon ihre Familie zu ernähren und auch die Zinsen bezahlen zu können. Angestellte konnten sie sich seinerzeit keine leisten. Es war ein richtiger Familienbetrieb.

Der Kundenkreis bestand mehrheitlich aus frisch zugezogenen Leuten. Vorwiegend aus Italienern,  die in der Kartonfabrik Deisswil arbeiteten. Mit der Zeit hat sich ein Kundenstamm entwickelt, der auch heute noch besteht, zum Teil besuchen uns schon die nächsten Generationen.

In den 60er Jahren konnte - durch den zunehmenden Geschäftsgang -  eine Tiefkühlanlage im Keller gebaut werden. Die 150 Tiefkühlfächer waren rasch vermietet.

Anfangs der 70er Jahre habe auch ich mich entschieden, das Metzgerhandwerk zu erlernen. Ich wurde nicht gezwungen, nein, ich habe mich aus freiem Willen für diesen vielseitigen Beruf entschieden, um später den Betrieb einmal weiter zu führen.

So verbrachte ich in Langnau in der Metzgerei Fankhauser meine Lehrzeit. Zur gleichen Zeit hat mein Vater zum erstem Mal den Laden umgebaut und das erste Kühlbuffet eingebaut. Zur selben Zeit schloss die Metzgerei Baumgartner, was uns einen beträchtlichen Umsatzzuwachs brachte.

 

Nach meiner Lehrzeit -  im 1974 - arbeitete ich ein halbes Jahr zu Hause. Mittlerweile beschäftige mein Vater schon einen Metzgerburschen, einen Lehrling, eine Ladentochter und eine Haushaltsangestellte. Darauf habe ich eine Stelle als Bankmetzger beim Bell in Freiburg und später in der Stadt Bern angenommen.

Als mein Vater 1976 schwer erkrankte, kündigte ich meine Anstellung und arbeitete wieder zu Hause. Trotz seiner Krankheit nahmen wir 1979 den Umbau des Ladens in Angriff. Während des Umbaus verkauften wir unser Fleisch in einer Baracke neben dem Geschäft.

Die Jahre 1980/81 werden wir nicht so schnell vergessen. Der Verkaufsladen befand sich noch im Umbau, am 8.8.1980 habe ich meine Christine geheiratet und im September 1980 stand die Neueröffnung des Ladens an. 

Am 1. Januar 1981 haben Christine und ich dann die Metzgerei von meinen Eltern übernommen.

Im 1981 habe ich die Meisterschule besucht und Christine war mit unserer Tochter Marlies schwanger. Im Jahre 1983 folgte Doris und im 1986 kam Thomas zur Welt.

Wie wir dies damals zeitlich alles geschafft haben,  ist mir heute noch ein Rätsel.

Mein Vater konnte sich nicht mehr von seiner Krankheit erholen und verstarb mit 63 Jahren am 2. Juni 1982.

Ende der 80er Jahre haben wir uns entschlossen, das Schlachten aufzugeben. Die neuen Vorschriften und Auflagen des Veterinäramtes zwangen uns dazu. Da auch die Produktionsräume einen Umbau forderten, entschlossen wir uns im alten Schlachthaus neue Produktionsräume und Kühlräume zu bauen. Zudem wurden der Maschinenpark überholt und teilweise neu angeschafft. Der ganze Umbau sollte eingentlich nur 2 Monate dauern, doch es wurden ganze 7 Monate daraus. Doch der Umbau hatte sich gelohnt, mit den neuen Hochbahnen konnten nun schwere Sachen besser transportiert werden und gleichzeitig auch die neuen Hygienevorschriften umgesetzt werden.

In den 90er Jahren, nach den vielen Fleischskandalen, fand ein Umdenken bei den Kunden statt.Nicht mehr die Masse, sondern die Qualität stand im Vordergrund. Lieber nur einmal Fleisch pro Woche, dafür ein gutes Stück. Dies löste auch bei uns ein Umdenken aus, schon beim Einkauf der Schlachttiere achtete man noch mehr als zuvor auf die Qualität und die Herkunft. Denn nur die beste Qualität kommt für unsere Kundschaft in Frage.

Meine Mutter arbeitete noch bis zu ihrem neunzigsten Lebensjahr (2006)  im Geschäft mit, sie hat täglich ihren Wasen (Abschnitte) sortiert, abgewaschen und Bratwurstschnäggli gemacht.

Bis heute haben wir etliche Lehrlinge und Lehrtöchter sowie  Metzgermeister-/Berufsprüfungskandidaten ausgebildet.

 

Seit dem 1. Dezember 2006 führen wir in 3113 Rubigen, Thunstrasse 19 eine Filialie. Zu Beginn arbeitete ich und Frau Sophie Fankhauser (langjährige Angestellte) in Rubigen. Da diese einen guten Anklang findet und deshalb mehr Personalstunden benötigt, haben wir uns im Frühjahr 08 entschlossen, dass meine Frau Christine in die Filiale wechselt und diese nun führt.  

 

 

 Um unseren Qualitätsstandart zu gewährleisten, sind Aus- und Weiterbildungunerlässlich. Auch die Umsetzung von Hygienekonzepten ist von grosser Wichtigkeit.

Auch die heutige Metzgerei Probst ist noch ein Familienbetrieb und bleibt es hoffentlich auch... .... denn auch unserer Sohn Thomas ist Metzger geworden. Er befindet sich momentan in der Weiterbildung, und in einigen Jahren möchte er zuhause weiterfahren.

Hans Probst